HEIMLICHE REGENTEN

Annett Klingner: Heimliche Regenten.
Astrologen als Drahtzieher der Macht

240 Seiten, Collection Rolf Heyne, München 2012

ISBN-10: 3899105567
ISBN-13: 978-3899105568

19,90 €      

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Ob römischer Kaiser, Renaissance-Papst, deutscher Diktator oder amerikanischer Präsident: Von der Antike bis zur Gegenwart quälten sich die Wichtigen, Reichen und Schönen der Welt mit den gleichen Fragen herum: Kriege ich Macht? Und wenn ja, behalte ich sie? Werde ich erfolgreicher, vermögender und beliebter sein als meine Feinde? Wann muss ich sterben? Und was denkt die Nachwelt über mich?

Je höher die Position, desto größer war das Bedürfnis nach verlässlichen Voraussagen. Davon profitierten diejenigen, die behaupteten, ein Fenster in die Zukunft öffnen zu können.

Die meiste Furore machten dabei die Sterndeuter. Sie wurden in die intimsten Geheimnisse, Ziele, Strategien und Ängste ihrer Herrscher eingeweiht und mit der Erledigung delikater Aufgaben betraut. Das machte die Astrologen zu heimlichen und überaus mächtigen Mitregenten, die den Lauf der Weltgeschichte entscheidend beeinflussten. Denn die Auftraggeber folgten ihrem Rat oft sehr konsequent. Hochzeiten platzten, wenn die Sterndeuter es wollten. Ganze Heere setzten sich auf ihren Fingerzeig in Bewegung. Kronen senkten sich erst dann auf königliche Häupter, wenn sie nickten. Und Köpfe rollten, wenn ihr Daumen nach unten zeigte. Selbst der Nachwuchs wurde nach ihrem Zeitplan gezeugt. Und ging es dann endlich zur Sache, saßen sie oft mit im Schlafzimmer.

Ihre Auftraggeber umwarben und hofierten sie. Viele Sterndeuter mutierten von Dienstleistern zu schillernden Persönlichkeiten, die ihre Macht sehr genau kannten, sich raffiniert in Szene setzten, nicht selten selbst steinreich und berühmt wurden und großzügig mit Tricks und Schwindel nachhalfen, wenn ihre Begabung versagte.

Doch was passierte, wenn ihre Prophezeiungen den Regenten nicht passten? Oder wenn falsche Weissagungen aufflogen? Was ist dran an den Mythen um mächtige Auftraggeber, berühmte Astrologen und ihre spektakulären Weissagungen? „Heimliche Regenten“ zeigt es anhand fünfzehn historischer Skizzen. Spannend wie ein Krimi. Lehrreich wie das Leben.

INHALT:

Ein Muttersöhnchen auf dem Kaiserthron (Nero)

Der berüchtigte Nero gelangte nicht zufällig auf den römischen Kaiserthron. Seine gleichermaßen ehrgeizige und skrupellose Mutter Agrippinia hievte ihn regelrecht hinauf. Nachdem ihr Astrologe deinen perfekten Thronbesteigungsmoment errechnet hatte, musste ihr Gatte, der amtierende Kaiser, aus dem Weg geräumt werden. Doch er starb zu früh, und Agrippina saß in der Klemme.

Wenn der Mond mit Blut befleckt wird (Domitian)

Dem römischen Kaiser Domitian war in seiner Jugend sein eigener Todeszeitpunkt vorhergesagt worden. Je näher der Termin rückte, desto verzweifelter versuchte er, das Schicksal abzuwenden.

Die verhinderte Braut (Dorotea Gonzaga)

Norditalien, Ende des 15. Jahrhunderts. Der Markgraf Mantuas hatte dem neuen Mailänder Herzog den Rücken gestärkt. Zum Dank versprach dieser, dass sein Sohn die Tochter des Markgrafen heiraten und dadurch in einen höheren Stand erheben würde. Diese Zusage bereute er später und versuchte, die Hochzeit mit allen Mitteln zu verhindern. Eine fast ebenso ergreifende Geschichte wie die von Romeo und Julia

Das geheime Horoskop im Vatikan (Papst Alexander VI. Borgia)

Als am 10.08.1492 weißer Rauch aus dem Vatikan aufstieg, hatte sich nach vier zäh umkämpften Wahlgängen und umfassender Bestechung der Spanier Rodrigo Borgia durchgesetzt. Sein Feind und Unterlegener im Kampf um die Papstkrone (Giuliano della Rovere, der spätere Papst Julius II.) reiste eilig ins Exil ab und schwor Rache. Erst elf Jahre später, nach dem Tod des verhassten Rivalen, konnte er sich rächen. Das Ergebnis ist noch heute in den Vatikanischen Museen zu erkennen.

Weltuntergang auf dem Kreuzberg (Kurfürst Joachim I. von Brandenburg)

Der Hofastrologe des Kurfürsten Joachim I. veranlasste seinen Herrn, im Jahr 1525 vor einer von ihm angekündigten Sintflut auf einen Hügel vor die Tore der Stadt zu fliehen. Der Weltuntergang blieb aus, aber der Kurfürst erlebte trotzdem beinahe seine persönliche Apokalypse

Es ist ein Dreck um ihre Kunst (Martin Luther)

Am 31. Oktober 2013 wird der 530. Geburtstag des Reformators gefeiert. Ein Jahr zu früh, denn über lange Jahre seines Lebens hatte Luther selbst 1484 als Jahr seiner Geburt genannt. Erst nachdem katholische Astrologen ihm ein „schlechtes“ Horoskop gestellt hatten, mochte er seinen ursprünglichen Geburtstag nicht mehr. Die ganze Story in „Heimliche Regenten“.

Spion im Dienste ihrer Majestät (John Dee)

Der neue James Bond-Film „Skyfall“ ist nicht nur an die Spitze der Kino-Charts geschossen und hat die Rekordmarke der Neueinstiege in den USA geknackt, sondern weltweit bereits über 500 Millionen Dollar eingespielt. Damit ist der 23. Film der Agentenreihe schon jetzt der erfolgreichste James Bond aller Zeiten. In der Öffentlichkeit unbekannt ist aber, dass der wahre 007 bereits im 16. Jahrhundert lebte. Er hieß John Dee, war Berater und Astrologe von Königin Elizabeth I. und spionierte über 40 Jahre lang für die englische Krone. Seine Briefe unterschrieb er mit 007. Seine Geschichte: in „Heimliche Regenten“

Die selbsterfüllte Prophezeiung (Kaiser Maximilian I)

Kaiser Maximilian I. wurde die Prognose seines eigenen Todes zugetragen. Angeblich würde er sterben, nachdem er eine Sonnenfinsternis gesehen habe. Einige Jahre später beobachtete er tatsächlich eine Sonnenfinsternis – und war ein halbes Jahr später tot. Zufall? Schicksal? Oder eine selbsterfüllte Prophezeiung?

Mythos Nostradamus

Am 15. Dezember 1503 wurde Nostradamus geboren. Selbst ein halbes Jahrtausend später gilt er noch immer als berühmtester aller Seher, der angeblich jedes wichtige Ereignis der Weltgeschichte vorausgesehen hat. Seine düsteren und verschlüsselten Vierzeiler animierten jede Generation zu eigenen Deutungen und Weltuntergangs-Prophetien. „Heimliche Regenten“ deckt auf, wer der berühmte Mann aus der Provence wirklich war, mit welcher cleveren Masche er es zur Berühmtheit brachte, was das Geheimnis seiner düsteren Quatrains ist und ob wir tatsächlich in Kürze den Weltuntergang befürchten müssen.

Knecht der Sterne (Wallenstein)

Am 24. September 1583 wurde der einflussreichste Feldherr des 17. Jahrhunderts geboren – ein Mann, um dessen Leben und Sterben sich bis heute viele Legenden ranken. Albrecht von Wallenstein stand dem als unbesiegbar geltenden Schweden-König Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen gegenüber, die mit dem Tod Gustav Adolfs endete. Als er seinem Kaiser lästig und gefährlich wurde, ließ dieser den Generalissimus aus dem Weg räumen. Bis heute halten sich eisern Gerüchte, dass der Mathematiker Johannes Kepler den Tod Wallensteins korrekt vorhergesagt habe. Das stimmt zwar nicht, doch tatsächlich war Kepler viel mehr für den Feldherrn: nämlich über mehrere Jahre dessen persönlicher Astrologe. Und auch nach Keplers Tod vertraute Wallenstein weiterhin auf die Sterne. Wohin er auch ging, sein persönlicher Sterndeuter Senno (in Schillers berühmten Drama als Seni bezeichnet) war dabei. Die ganze Geschichte in: „Heimliche Regenten“

Geschichte macht, wer Geschichte schreibt (Evangeline Adams)

Astrologie wird heute im günstigsten Fall als Aberglaube, in der Regel jedoch als Scharlatanerie angesehen. Selbst wissenschaftliche Nachschlagewerke listen aber eine Ausnahme auf: die Amerikanerin Evangeline Adams. Diese habe korrekt den Brand eines New Yorker Luxushotels, den Börsencrash, den Tod vieler prominenter Persönlichkeiten sowie den Ausbruch des zweiten Weltkriegs vorhergesehen. Angeblich habe sie sogar bei einem Gerichtsprozess den Richter von ihren Fähigkeiten überzeugt und die Astrologie zu einer „echten Wissenschaft“ erhoben. Tatsächlich enthüllt die Recherche das Bild einer überaus geschäftstüchtigen Frau, die solange erfundene Geschichten erzählte, bis diese zur historischen Wahrheit wurden – und sie selbst dabei steinreich

Irrlicht unterm Hakenkreuz (Karl Ernst Krafft)

Hatte Hitler einen persönlichen Astrologen? Joseph Goebbels‘ Einsatz der Astrologie in der Kriegspropaganda. Der Flug von Rudolf Heß nach Schottland - und die Rolle der Astrologie dabei. Karl Ernst Krafft: ein Mann, der mit den Nazis ein großer Stern werden wollte und tief abstürzte

Der Lügenbaron vom MI 5 (Louis de Wohl)

Der britische Geheimdienst beschäftigte während des Zweiten Weltkrieges einen Astrologen. Diesem wurde 1941 sogar höchste Ehre zuteil: Obwohl Premierminister Churchill nicht an die Astrologie glaubte, schickte er den Sterndeuter als Teil einer britischen Delegation in die USA, um Präsident Roosevelt und sein Volk davon zu überzeugen, in den Krieg gegen Nazi-Deutschland einzutreten. De Wohl bekleidete den Rang eines Captain und lebte in einer großzügigen Dienstwohnung in Londons Bestlage. Erst nach der Freigabe seiner Geheimdienstakten wurde bekannt, dass die Briten einem Hochstapler aufgesessen waren, den sie später nicht mehr loswurden.

Der heimliche Boss Hollywoods (Carroll Righter)

Am 02.02.1910 wurde ein Mann geboren, dessen Wort in Hollywood über Jahrzehnte das allergrößte Gewicht hatte. Wenn er nickte, schlossen Stars wie Marlene Dietrich, Hildegard Knef oder Nancy Reagan Verträge, heirateten oder unternahmen Reisen. Schüttelte er den Kopf, folgten die Berühmtheiten brav seinen alternativen Empfehlungen. Er legte den Moment von Ronald Reagans Vereidigung zum Gouverneur fest, und seine Kolumnen wurden in über 130 Zeitungen gedruckt. Carroll Righter war der mächtigste Astrologe seiner Zeit, der einzige Sterndeuter, der es auf das Titelblatt des TIME Magazine geschafft hat und der heimliche Boss Hollywoods. Seine Geschichte: in „Heimliche Regenten“

Ronnie und die Sterne (Ronald Reagan)

Am 06.02.1912 wurde in Tampico (Illinois) Ronald Reagan, Schauspieler und 40. Präsident der Vereinigten Staaten geboren. Seine Frau Nancy und er machten nie einen Hehl aus ihrem Hang zum Aberglauben. Sie warfen Salz über die Schulter, glaubten an die Macht von Glückszahlen und an das Unglück, wenn man fremde Messer berührt – und sie lasen täglich ihr Zeitungshoroskop. Doch erst als Reagans entlassener Stabschef Donald T. Regan im Jahr 1988 in dem Enthüllungsbuch „For the Record“ mit seinem Ex-Chef abrechnete, kam ans Licht, dass Reagans gesamter Tagesablauf im Weißen Haus den Empfehlungen einer ihm persönlich unbekannten Astrologin aus Chicago folgte. Die Folge: Reiseverschiebungen bei wichtigen Staatsbesuchen, wochenlange Abschottung im Weißen Haus, Entscheidungsstaus.